Page 3 - Glarner Zeitung - KW 48 - 2025
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FORTSETZUNG
Mit spitzer Feder …
Der Punkt,
wo die Liebe
anders beginnt
zu klingen
Unsere Gesellschaft verdrängt eine versöhnende, hoffnungs-
den Tod. Das hängt sicherlich volle Kraft umwandelte. Die Be-
Bild: zVg
damit zusammen, dass der Tod suche bei Vater, die Gespräche,
Familienunternehmer verfügen kaum über liquide Mittel. Ihr Kapital steckt im Unternehmen, in Maschinen, Gebäuden, heute nicht mehr so präsent ist seine fortschreitende Demenz,
Forschung oder Löhnen. Dies ist auch bei der Zehnder Group in Gränichen der Fall. wie früher. In der gesteigerten sein Körper und sein ganzes
Lebenserwartung widerspie- Sein, das langsam erodierte und
Gefährdet die Initiative den In- dessteuern. Die drei Prozent Defizit von bis zu 3,6 Milliarden gelt sich der medizinische und abgetragen wurde wie ein Fels in
novationsstandort Schweiz? grössten Firmen bezahlen 88 Franken entstünde! Am Ende technische Fortschritt, der uns der Brandung – dies alles führte
Ja, eindeutig. Unsere Wettbe- Prozent aller Unternehmens- zahlt der Mittelstand durch gleichzeitig das trügerische Ge- dazu, dass ich mich monatelang
werbsfähigkeit beruht auf Ver- steuern. Wer Erfolg hat, trägt höhere Steuern oder weniger fühl gibt, der Tod sei etwas, das mit unserem Endlichkeits- und
lässlichkeit und Planbarkeit. die Hauptlast und die Verant- staatliche Leistungen. wir auf einen unbestimmten Todesbewusstsein, das mit der
Wenn Eigentum – das vorgängig wortung für Arbeitsplätze. Ge- Zeitpunkt hinausschieben könn- Frage nach dem Sinn des Lebens
als Einkommen und jedes Jahr rechtigkeit entsteht nicht, Sie sind Vorstandsmitglied von ten. Das Sterben ist für uns ein und unserem Sinn einhergeht,
als Vermögen bereits besteuert wenn man den Kuchen anders Swiss Family Business, die sich Unfall, ein Versagen der Me- beschäftigte. Die Frage dehnt
wurde – plötzlich zusätzlich mit verteilt, sondern wenn man ihn klar gegen die Initiative stellt. dizin, ein Kampf, der verloren sich schnell auf die Sinnhaftig-
50 Prozent besteuert wird, ver- grösser backt. Warum engagieren Sie sich ist. Der natürliche Umgang mit keit der Welt aus, die uns her-
lieren wir beides. Unternehme- persönlich? dem Tod haben wir leider ver- vorgebracht hat, das Universum
rinnen und Unternehmer, die Viele junge Menschen glauben, Swiss Family Business ver- lernt. Der Tod ist in unserem All- selbst und seine Existenz. Und
Verantwortung übernehmen die Initiative helfe dem Klima. tritt über 380 familiengeführte tag kaum noch präsent. Aber damit endlich die Frage nach un-
und Arbeitsplätze schaffen, Teilen Sie diese Einschätzung? Unternehmen in der ganzen der Mensch ist nun mal sterb- serer Schöpfung und nach Gott.
werden bestraft. Der Unterneh- Nein. Das Geld aus dieser Schweiz. Uns verbindet die lich. Und manchmal gibt es Mo-
mergeist, der die Schweiz stark Steuer würde in einen poli- Überzeugung, dass Unterneh- mente, da müssen Ärzte ihre Ziel- Wir müssen sterben. Alle. Und
gemacht hat, wird geschwächt. tisch verwalteten Fonds flies- mertum generationsübergrei- setzung, zu heilen ändern. Dann wir wissen nicht, wie das geht.
Wenn man einem Baum die sen, nicht zwingend in wirk- fende Verantwortung bedeutet. geht es um ein würdevolles, Keiner. Das Sterben lässt sich
Wurzeln abschneidet, darf man same Klimamassnahmen. Wir Das von Swiss Family Business selbstbestimmtes und möglichst nur von aussen beobachten, und
sich nicht wundern, wenn er leisten unseren Beitrag längst: initiierte «Überparteiliche Ko- schmerzloses Ende. Der Tod ist diesen Anblick meiden wir, weil
keine Früchte mehr trägt. Die Zehnder Group hat ihren mitee gegen die JUSO-Initia- für mich kein Tabu. Als neugieri- er uns mit einer so schrecklichen
CO2-Ausstoss allein im letzten tive» setzt sich aus verschie- ger und spiritueller Mensch und Hilflosigkeit erfüllt. Es tat weh
Was sagen Sie zum jüngst prä- Jahr um zwölf Prozent gesenkt. denen Persönlichkeiten aus als gläubige Christin begegnet und der Schmerz liess mein Herz
sentierten Vorschlag der SP- Unternehmen investieren Politik, Wirtschaft und Gesell- mir der Tod immer mal wieder. und meine Seele immer wieder
Fraktion, mit dem die Umset- von sich aus in Innovation, in schaft zusammen. Gemeinsam In den letzten drei Jahren, als ganz willkürlich erbeben – doch
zung der JUSO-Initiative für Kreislaufwirtschaft und Ener- engagieren wir uns für die Ab- ich meinen Vater in seiner De- da war noch eine andere Ener-
Unternehmen verträglicher ge- gieeffizienz. Wenn man Unter- lehnung der JUSO-Initiative, menzkrankheit begleitet hatte, gie, als ich am Sterbebett mei-
macht werden soll? nehmertum schwächt, verliert damit das Erfolgsmodell der war der Tod unser steter Beglei- nes Vaters sass. Eine stille Kraft,
Der Vorschlag zeigt vor al- man genau jene Kräfte, die den Schweizer Familienunterneh- ter. Ich habe ihn immer gespürt – zuerst zaghaft, hell, glitzernd.
lem, dass die ursprüngliche Klimaschutz voranbringen. men nicht gefährdet, der In- anfangs war er auf Distanz, wie Sie wurde immer präsenter, stär-
Initiative nicht zu Ende ge- novationsstandort nicht ge- ein Fremder, den man weit weg ker, intensiver, leuchtender. Ein
dacht ist. Anstatt das Grund- Viele sagen, Reichtum sei un- schwächt und die Menschen in im Nebel ordert. Dann taucht er wohliges Gefühl, Geborgenheit,
problem zu lösen, schafft man verdient. Was entgegnen Sie der Schweiz nicht den Preis für wieder ab und die weissen Sil- Sicherheit, Stille, Frieden und
neue: Bürokratie, Unsicher- dem? die geringeren Steuererträge berfäden verschluckten ihn, aber eine Zuversicht erfasste mich –
heit und Eingriffe ins Eigen- In einem Familienunterneh- von Bund, Kantonen und Ge- seine Energie ist deutlich spürbar und auch Vater. Es war, als ob
tum. Wenn der Staat plötzlich men ist Reichtum kein Lot- meinden bezahlen müssen. Ich – so ein leichtes Vibrieren in der die göttlichen Mächte tausend
Firmenanteile oder Immobilien togewinn, sondern gebunde- engagiere mich, weil ich über- Luft. Er tauchte immer mal wie- goldglänzende Sterne über uns
als Steuer entgegennimmt, feh- nes Kapital. Das Geld steckt in zeugt bin: Wohlstand entsteht der auf und setzte sich zu uns an regnen liessen. Und wenn auch
len ihm Fachwissen und Kapa- Arbeitsplätzen, Produktions- nicht, wenn man ihn umver- den Kaffeetisch wie ein flüchti- heute noch der Schmerz des Ver-
zitäten, um solche Vermögens- hallen und Forschung. Wenn teilt, sondern wenn man ihn ger Bekannter, der ab und zu – lustes in mir tobt, so ist da gleich-
werte zu verwalten. Am Kern man dieses Kapital besteu- gemeinsam schafft. Wir müssen wenn es der Zufall will – einem zeitig noch Dankbarkeit, Demut
ändert sich ohnehin nichts: ert, besteuert man Arbeit. Man dafür sorgen, dass die Schweiz Gesellschaft leistet, aber doch und ganz viel Liebe. Der Tod ist
Die Steuer bleibt gleich hoch verwechselt oft Erfolg mit Lu- ein Land bleibt, in dem Leis- immer auf dem Sprung ist. Er der Punkt, wo die Liebe anders
und muss bezahlt werden – ob xus. Aber Vermögen in einem tung, Verantwortung und Inno- war willkommen in unserer Va- beginnt zu klingen. Es gibt Mo-
in Geld, Anteilen oder Raten. Unternehmen schläft nicht auf vation sich lohnen. ter-Tochter-Runde, denn es war mente, in denen die Zeit stillzu-
Für Familienunternehmen be- dem Konto, sondern arbeitet unumgänglich, dass er meinen stehen scheint: Wenn Erinnerung
deutet das weniger Kapital für jeden Tag für andere. Was wünschen Sie sich im Hin- Vater zum letzten Tanz auffor- und Gegenwart sich begegnen,
Investitionen, Innovation und blick auf die Abstimmung? dern würde. 23 Monate waren entsteht etwas, das grösser ist
Arbeitsplätze. Die SP nennt Warum trifft diese Initiative am Ich wünsche mir, dass die wir so zu Dritt unterwegs. Es war als beides. Ein Gefühl von Nähe,
das «unternehmerfreundlich», Ende alle und nicht nur einige Stimmbürgerinnen und Stimm- eine unglaubliche Erfahrung, die das kein Ende kennt. Vielleicht
tatsächlich aber bleibt es eine Reiche? bürger erkennen, was wirklich mein bisheriges Leben vollstän- ist es genau das, was Ewigkeit
Belastung für unser Unterneh- Weil sie die Basis unseres Wohl- auf dem Spiel steht. Diese In- dig relativierte. Die grösste Lek- bedeutet: nicht das unendliche
mertum und für die Wirtschaft stands untergräbt. Wenn Fami- itiative hilft dem Klima nicht, tion meines Lebens. Fortbestehen, sondern das blei-
insgesamt. lienunternehmen verschwin- sie schwächt unsere Wirtschaft. bende Gefühl, dass etwas wei-
den oder ins Ausland verkauft Sie gefährdet Arbeitsplätze, Wir haben in der letzten Lebens- terlebt – in Gedanken, in einer
Die JUSO spricht von mehr Ge- werden, verliert die Schweiz Nachfolgen und Unternehmer- zeit meines Vaters sehr viel über Geste, in einem Lächeln, das uns
rechtigkeit. Was entgegnen Sie Arbeitsplätze, Lehrstellen und geist. Deshalb braucht es ein das Sterben gesprochen und unverhofft an etwas Schönes er-
diesem Argument? Steuereinnahmen. Zwar geht klares Nein, zum Schutz unse- mit vielen, vielen Fragen gerun- innert. Oft vergessen wir, dass
Wir brauchen keine Politik, die Eidgenössische Steuerver- res Erfolgsmodells Schweiz. gen. Er war sich stets bewusst, jedes Sterben eine Geburt vor-
die Erfolg bestraft, sondern waltung von einem theoreti- dass sein Leben bald zu Ende bereitet. Denn das Ende ist nicht
eine, die Leistung ermöglicht. schen Plus von 4,3 Milliarden sein würde. Er hat das mit so viel das Gegenteil von Leben – es ist
Heute schon zahlen die obers- Franken aus. In der Realität Interview: Ivan Jäggi Würde und Haltung getragen, seine Voraussetzung.
ten zehn Prozent der Priva- aber würden viele der grössten mit so viel Dankbarkeit und De-
ten rund 86 Prozent aller Ver- Steuerzahler das Land verlas- mut vor den göttlichen Mäch- Herzlichst,
mögenssteuern. Zwei Prozent sen, mit der Folge, dass gemäss www.nein-zur-juso.ch ten, dass sich die erschreckende, Ihre Corinne Remund
der Bevölkerung tragen über Eidgenössischer Steuerverwal- www.swiss-family-business.ch ungewisse Energie des Todes in Verlagsredaktorin
die Hälfte der gesamten Bun- tung statt Mehreinnahmen ein www.zehndergroup.com/de

