Page 3 - Thurgauer Woche - KW 14 - 2025
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                                 IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER SPYCHER-HANDWERK AG

          Ein Erlebnis für die Besucherin-
          nen und Besucher ist der Weg
          der Wolle, wo sie die Verarbei-                                                                       Mit spitzer Feder …
          tung vom Waschen, Färben und                                        Wolle Filzen: Filz ist ein tex-
          Kardieren bis hin zum Weben,                                        tiles Flächengebilde aus
          Spinnen und Stricken hautnah                                        einem  ungeordneten,  nur
          miterleben können. Die über                                         schwer trennbaren Faser-
          100-jährigen Maschinen sind                                         gut. Es handelt sich beim
          noch täglich im Gebrauch. Nach                                      Filz um eine nicht gewebte                          Kreuz, Herz
          der Schafschur wird die Wolle                                       Textilie. Die tierischen Fa-
          nach Qualität sortiert, gewa-                                       sern haben eine schuppige                           und Anker
          schen und zu einem Vlies kar-                                       Oberfläche. Die einzelnen
          diert. Zahlreiche Arbeitsabläufe                                    Fasern lassen sich durch de-
          in der Produktion vom Rohstoff                                      ren Widerhaken verfilzen.
          zum Wollprodukt sind urtümli-
          ches Handwerk. Die Liebe zum                                        Man unterscheidet zwei            Bald ist Ostern. Am Ostersonn-  finstere Tristesse, die viele befällt,
          Detail zieht sich wie ein roter                            Bilder: CR  Filztechniken:  Beim  Nass-    tag feiern Christen die Auferste-  weil sie sich von Todesmächten in
          Faden durch den ganzen Ver-      Grosses Angebot an Naturfasern.    filzen werden die Wollfa-         hung Jesu Christi von den Toten.  vielerlei Gestalt belagert und be-
                                                                              sern  mit  Hilfe  von  Wasser,
          arbeitungs- und Herstellungs-                                       Seife und Reibung verfilzt.       Ostern steht für den Sieg des Le-  lauert fühlen.
          prozess. So wird die Wolle vor  die Teilnehmerinnen  und  Teil-     Die Nassfilztechnik wird zur      bens über den Tod. Auch des-
          Ort gesammelt und von Hand  nehmer in die Kunst des Spin-           Herstellung von grösseren,        halb gilt es als das wichtigste  Dabei ist unser Kompass in uns
          sortiert. Die beste Qualität wird  nens, Webens und Filzens (vgl.   flächenartigen Objekten           Fest im Jahreslauf der evange-  – Tag und Nacht: Unser Bauch-
          in Belgien gewaschen – in der  Kasten) ein. «Bei uns sind Halb-     eingesetzt.  Hüte,  Kleider,      lischen und katholischen Kirche.  gefühl, unsere Intuition und un-
          Schweiz gibt es keine indust-    tages- oder Tageskurse möglich»,   Schuhe und Kugeln können          Für mich ist Ostern das wich-  ser Vertrauen zum Universum
          rielle Wollwäscherei mehr – und  so Priscilla Grädel. Ebenso be-    gut durch diese Filztechnik       tigste Fest überhaupt. An Ostern  und zu Gott. Der Glaube an eine
          wird zum Verkauf und zu Bett-    steht die Möglichkeit, einen ein-  hergestellt  werden. Auch         wird alles, was das Leben aus-  höhere göttliche Macht ist mo-
          waren verarbeitet. Eine min-     wöchigen Wollverarbeitungskurs     zum Gegenstände einfilzen         macht gefeiert: Glaube, Liebe  mentan wichtiger denn je. Er ist
          dere Klasse an Qualität wird  zu besuchen inklusive Übernach-       eignet sich die Nassfilztech-     und Hoffnung. Symbolisch dafür  unsere Wurzel, unser Fels in der
          weiterverkauft ins Baugewerbe  tung im Hotel oder im Sommer         nik.                              stehen Kreuz, Herz und Anker. Ich  Brandung, der es uns ermög-
          für Isolationen und die soge-    in der Jurte. Die Kurse finden                                       habe einen solchen Anhänger,  licht, ruhig und gelassen, verbun-
          nannten  Abresten werden für  auf  dem  Hof  im  Seminarraum        Beim Trockenfilzen werden         der mich durchs Leben begleitet.  den mit dem Universum, schwie-
          Dünger benötigt.                 statt und sind mit fünf bis zehn   die Wollfasern durch eine         Wobei es mit dem Anker so eine  rige Situationen und unmögliche
          Wolle ist ein vielseitiges Natur-  Personen pro Gruppe bewusst      Filznadel verfilzt. Das Tro-      Sache ist. Er verhakt sich gerne  Zustände auszuhalten. Auch das
          produkt, das als Produkt im All-  klein gehalten.  «Unsere Spezia-  ckenfilzen wird vor allem         mal im Pulloverärmel, im Henkel  gehört zum Leben. Das Osterfest
          tag  über  grosse Vorteile  ver-  listinnen können so individuell   zur Herstellung von kleinen       der Taschen, etc. – aber im Leben  zeigt uns jedes Jahr von Neuem,
          fügt wie beispielsweise über  auf die Bedürfnisse der Teilneh-      Figuren oder Gebilden ver-        benötigt man auch immer wie-   nach jedem Dunkeln kommt das
          eine ausgezeichnete Tempera-     menden eingehen», sagt Priscilla   wendet. Mit der Nadel ist es      der einen Halt. Der Kirchenlehrer  Licht und die allgegenwärtige
          tur-  und  Feuchtigkeitsregulie-  Grädel. Ihr ist auch wichtig, dass   relativ einfach, dem Objekt    Thomas von Aquin hat Ostern als  Liebe. Mit Liebe und Glauben
          rung. Sie ist atmungsaktiv sowie  die Theorie in die Praxis umge-   eine Form zu geben.               das Zur-Ruhe-Kommen des tiefs-  ist alles Garstige und Unzumut-
          schmutz- und wasserabweisend.  setzt wird und die Kurse so le-                                        ten menschlichen Sehnens be-   bare überwindbar. Ostern zeigt
          «Kleider aus Wolle sind komfor-  bendig gestaltet sind. «Weben      Spinnen:  Beim Spinnen            zeichnet. Dieses Glück ist nicht  uns auch, es braucht Schmerz,
          tabel zu tragen und fühlen sich  und anderes Kunsthandwerk          werden mehrere Fasern zu          stimmungsabhängig. Es beginnt  Trauer und Transformation, da-
          wollig warm und kuschelig an.»  bieten unendlich viele Möglich-     einem Faden gedreht. Die          im Jubel am Palmsonntag, kennt  mit etwas Neues entstehen
          Aber auch Wolle in allen Sta-    keiten, sich kreativ auszudrü-     Möglichkeiten beim Spin-          die tiefste Verzweiflung an Kar-  kann, dass alles bisher dagewe-
          dien, kardiert in allen Farben  cken», erklärt Ursula Vergés, die   nen sind ungeahnt vielfäl-        freitag, um sich dann an Ostern  sen überstahlt. Jeder einzelne
          zum Basteln und Spinnen, oder  den Webkurs leitet. «Die Arbeit      tig. Man kann zum Beispiel        in ein neues unfassbares Glück  Tag unseres Lebens ist immer
          verarbeitet als edles Wollknäuel  mit  verschiedenen Materialien    verschiedenartige und ver-        zu wandeln. Ein Glück, das trag-  wieder ein Anfang. Ein Anfang,
          und vieles mehr gibt es bei «Spy-  bringt darüber hinaus neue Sin-  schiedenfarbige Fasern ab-        fähig sein will, durch alles Leid  Hoffnung zu schöpfen, Liebe zu
          cher»  zu  kaufen.  Für  Priscilla  neserfahrungen mit sich, die den   wechslungsweise miteinan-      hindurch. An Ostern besiegt das  geben, Freude zu verbreiten, und
          Grädel und ihr Team gehört zu  Geist anregen.»                      der verspinnen.                   Licht die Dunkelheit. Dabei kom-  die Welt so ein Stückchen bes-
          einem weitsichtigen Leben das                                       Weben: Weben ist eine tra-        men mir immer die Worte von  ser zu machen. Jeder Tag ist be-
          Wissen und die Liebe zum Pro-                    Corinne Remund     ditionelle Technik, bei der       Dietrich Bonhoeffer – der mich  stimmt von Kreuz, Herz und An-
          dukt. Gerne gibt sie dies ihren                                     man lange Fäden, die so-          zusammen mit den göttlichen  ker. Deshalb ist für mich so quasi
          Kundinnen und Kunden weiter                                         genannten      Kettfäden,         Mächten durchs Leben beglei-   jeder Tag Ostern – immer wieder
          und nimmt sie mit in das faszi-      Spycher-Handwerk AG            auf einem Rahmen straff           tet – in den Sinn: «Sagen Sie ihm,  die Erfahrung zu machen, ich bin
          nierende Reich der Wolle und          Bäch 4, 4950 Huttwil          spannt. Quer dazu werden          dass dies für mich das Ende, aber  nicht alleine, ich werde getra-
          der Naturmaterialien.                   Tel. 062 962 11 52          die Schussfäden eingefloch-       auch der Anfang ist.»          gen und behütet von den gött-
                                                  info@kamele.ch                                                                               lichen Mächten und einem Heer
                                             www.spycher-handwerk.ch          ten, was mit einem kleinen
                Kurse sind beliebt                                            Werkzeug, dem Schiffchen,         In sicherer Erwartung seiner Hin-  an Schutzengeln.
          Wer wissen möchte, was man           Öffnungszeiten Laden:          gemacht wird. So entstehen        richtung liess Dietrich Bonhoef-
          mit Wolle alles machen kann, ist   Montag bis Freitag: 8 bis 12     Stoffe und Textilien.             fer dies seinem Freund George  «Ich glaube, dass Gott aus allem,
          bei  der  Spycher-Handwerk  AG         und 13.30 bis 18 Uhr                                           Bell ausrichten, dem Bischof von  auch aus dem Bösesten, Gutes
          genau richtig. Kompetente und         Samstag: 8 bis 16 Uhr                                           Chichester. Kürzer, kraftvoller  entstehen lassen kann und will.
          kreative Kursleiterinnen führen                                                                       und unsentimentaler kann man  Dafür braucht er Menschen, die
                                                                                                                den Osterglauben nicht ausdrü-  sich alle Dinge zum Besten die-
                                                                                                                cken. Bonhoeffers Worte treffen  nen  lassen»,  hat  Dietrich  Bon-
                                                                                                                mich direkt ins Mark in einer Zeit,  hoeffer geschrieben.  Und wei-
                                                                                                                in der so viel vom Ende die Rede  ter: «In solchem Glauben müsste
                                                                                                                ist: vom Ende der Möglichkeiten,  alle Angst vor der Zukunft über-
                                                                                                                vom Ende  der  natürlichen  Le-  wunden sein.» Er hatte 1943 we-
                                                                                                                bensgrundlagen, vom Ende des  nig Anlass, das zu glauben. We-
                                                                                                                Wachstums, vom Ende des Le-    niger als wir 2025. Es dennoch zu
                                                                                                                bens, wie es uns vertraut ist, vom  wagen, das ist Ostern.
                                                                                                                Ende der Weltordnung und der
                                                                                                                Demokratie. Es ist viel Endzeit-  Und das wünsche ich Ihnen liebe
                                                                                                                stimmung in der Welt, viel Kreuz,  Leserinnen und lieber Leser von
                                                                                                                viel «Mein Gott, warum hast du  ganzem Herzen – haben Sie den
                                                                                                                mich verlassen?», aber so we-  Mut, Ihre Ängste und Abgründe
                                                                                                                nig Ostern. Und damit meine ich  zu überwinden, sich ihnen zu stel-
                                                                                                                nicht den galoppierenden Verlust  len, im Vertrauen darauf, dass da
                                                                                                                von christlichem Wissen und reli-  eine göttliche Energie ist, die uns
                                                                                                                giösen Ritualen. Ich meine diese  trägt – ohne Wenn und Aber! In
                                                                                                                Mischung aus Zukunftsangst,  diesem Sinne, frohe und besinn-
                                                                                                                Hoffnungslosigkeit  und  Orien-  liche Ostern!
                                                                                                                tierungslosigkeit, die schwer wie                 Herzlichst,
                                                                                                                eine dicke, kratzige Decke auf der       Ihre Corinne Remund
                                                            Das Handwerk erlebt ein Revival: Webstühle und andere   Gesellschaft liegt. Ich meine die       Verlagsredaktorin
          Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.       Verarbeitungsgeräte sind sehr gefragt.
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